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Klarheit schaffen.
3 Entscheidungen für die ersehnte Balance in Familie und Beruf

Als Berater und Trainer bin ich regelmäßig mehrere Tage am Stück bei meinen Kunden im Einsatz. Weit entfernt von meiner Familie. Mancher Abschied fällt leicht, weil es guttut, in die Welt hinauszuziehen. Mancher Abschied fällt nicht so leicht: Wenn ich das behütete Nest nicht verlassen will, weil es in der familiären Gemeinschaft schön ist. Dann wirkt die Welt draußen kalt, ungemütlich und fremd.

edited by Dimitrios Lorenz
Jahr 2019

Wie kann ich Balance finden zwischen mir, meiner Familie und meinem Beruf? Reizen nicht vielmehr die unterschiedlichen Qualitäten? Ist nicht das Einzige, das es in Einklang zu bringen gilt, meine Person und meine bewussten Entscheidungen? Was bedeutet das eigentlich: Familie und Beruf in Einklang bringen?

1. Entscheidung: Klare Grenzen in einer sich entgrenzenden Welt

Immer wieder merke ich, wie essenziell hundertprozentige Präsenz ist. Dort, wo ich gerade bin. Wenn ich nach Hause komme und sich meine Familie auf mich stürzt, freue ich mich im ersten Moment riesig. Schnell merke ich dann, dass ich geistig noch nicht richtig da bin. Aufgaben, Gespräche, offene Themen schwirren mir durch Kopf und Bauch. Ich kann mich noch nicht einlassen, weil der Raum in meinem Inneren überfüllt ist von Eindrücken aus der Arbeit. Dann braucht es bewusstes Austreten aus dem Arbeitsraum in den Familienraum.

Wenn unser Unterbewusstes keinen Rahmen bekommt, fällt es in der Regel ins Chaos.

Das kann eine Badewanne sein, ein Waldspaziergang oder alleine ein Stück Kuchen essen gehen. Wichtig sind die Momente, in denen ich innerlich reflektieren und loslassen kann. Manchmal ignoriere ich diesen Schritt, weil scheinbar keine Zeit da ist. Dann bekomme ich die Rechnung spätestens an der nächsten Ecke. Die Kinder oder Eltern streiten sich wegen offensichtlicher Kleinigkeiten. Irgendwer kommt zu kurz, weil die Aufmerksamkeit nicht ausreicht.

Ein fester Alltagsrahmen und feste Arbeitszeiten verschwimmen in dieser dynamisierten Zeit immer mehr. Unsere Aufmerksamkeit wird in immer komplexere Dinge involviert. Umso wichtiger wird die Fähigkeit, sich klare Grenzen zu setzen. Und bewusste Übergangsrituale von einem Raum in den nächsten zu schaffen.

Das hilft.
Folgende Fragen können bei jedem Ortswechsel hilfreich sein: Da wo ich gerade bin, bin ich da zu 100% geistig präsent? Hänge ich mit Teilen meiner Aufmerksamkeit in der Vergangenheit oder Zukunft?

2. Entscheidung: Entschleunigung, Kontrollaufgabe und Kontaktaufnahme

Wie zur Ruhe kommen in einer Zeit, die von rastloser Entwicklung getrieben wird? Tägliche Hektik und straff getaktete Terminplanung sorgen individuell und kollektiv für ordentlich Bewegung in unserem Lebensstil.

Wenn der Job hohe örtliche und zeitliche Flexibilität erfordert und unterschiedliche Kontakte zu Menschen voraussetzt, sind fest eingeplante, ruhige Alltagsphasen ein wesentlicher Gegenpol. Der Leitsatz „Heute machen wir nichts!” tut gut, hat seinen Platz aber oft erst im Urlaub: täglicher Aktionismus ist Routine (geworden).

Globale Mobilität, 24h Kommunikation und Vernetzung verbinden uns mit der Welt, non-stop. Wir neigen dazu, dauernd auf der Überholspur zu düsen, bis die Krankheit, Burnout oder Beziehungskrise uns auf den Standstreifen zwingen.

Dieser Aktionismus hat im Familienleben jedoch wenig zu suchen. „So, wie ich es gerne hätte” funktioniert in der familiären Beziehung selten und fällt uns rasch auf die Füße. Familien brauchen Raum und Zeit, um (wieder) zueinander zu finden. Ohne zuzuhören und mich auf meine Familie einzulassen, verfalle ich der Verführung, meine Familie wie mein Arbeitsleben organisieren zu wollen. Der Strich durch die Rechnung kommt dann, wenn Termine in meinem Interesse, aber nicht in dem der anderen entstehen.

Die Lösung: Langsamkeit. Sie schafft Kontakt. Kontakt ermöglicht, in Beziehung zueinander zu treten. So kann ich meine Vorstellungen und Pläne loslassen und wahrnehmen, wo mein Gegenüber und ich innerlich wirklich stehen. Erst wenn ich meinem Kopf die Erlaubnis gebe, zur Ruhe zu kommen, bekomme ich mit, wie es mir emotional und körperlich geht und nehme das Gegenüber wahr.

Das hilft.
Nach intensiven Arbeitsphasen plane ich Zeit für Verlangsamung ein. Ich stelle mir die Frage, was mir guttut. Erst dann gehe ich in Kontakt mit dem Außen. Hier ist essenziell, bewusst selbst für die Verlangsamung zu sorgen.

3. Entscheidung: Bauch schlägt Kopf!

Auf der Arbeit bin ich daran gewöhnt, jede Minute nutzbringend einzusetzen. Selbst die Pause ist fest eingeplant. Ich richte mich an äußeren Zeiten, Strukturen und Pflichten aus. Mein inneres Office ist voll im Einsatz: Projekte aufgleisen, Angebote schreiben und Seminarinhalte vermitteln. Teilweise hochkomplexe Situationen vor Gruppen, die volle Präsenz verlangen.

Zu Hause funktioniert diese mentale, im Kopf stattfindende Fokussierung wesentlich schlechter. Feste Pläne und Termine lassen sich in der Familie schwer umsetzen. Beeinflusst von unterschiedlichen Bedürfnissen dauert manches länger als gedacht. So geht schon mal ein Ausflug später los oder fällt gar ins Wasser.

Der Wechsel zwischen dem System Kopf und dem System Bauch will geübt sein. Die Logik des Denkens und die Natur der Gefühle sind zwei sehr unterschiedliche, oft entgegengesetzte Kräfte. Es ist schwer, sich auf die Gefühlsebene einzulassen, wenn ich stark im Denken verhaftet bin.

Das hilft.
Ich setze mir einen kleinen inneren Beobachter auf die Schulter. Er bekommt mit, wann ich im Kopf feststecke. Der Grundgedanke ist eine Art von Meta-Wahrnehmung: Ich kann mich über diesen unabhängigen inneren Beobachter regelmäßig fragen: Geht es hier gerade um das Thema, oder um ein bisher außer Acht gelassenes Gefühl oder Bedürfnis?

Die Quintessenz: Prioritäten, Verantwortung übernehmen und glücklich sein

Was bringt Einklang? Ich bin mir darüber bewusst:

  • Im Kontext Arbeit ist eine mentale Fokussierung erwünscht und zielführend.
  • In der Familie geht es um das Gegenteil. Das mache ich mir immer wieder bewusst. Emotionale Nähe, Präsenz im Hier und Jetzt und die Fähigkeit, Pläne loszulassen. Lauschen, was wirklich ansteht.
  • Ich muss dafür sorgen, dass ich diesen Übergang bewusst stattfinden lasse, um von der Kopf- auf die Herzebene zu kommen und in Kontakt zu meiner Familie treten zu können.

Bevor wir uns über uns vermeintlich aus der Balance werfende Umstände beklagen, sollten wir beginnen wahrzunehmen, an welchen Stellen unsere Entscheidungen zu der aktuellen Situation geführt haben. Gemeinsam können wir uns dann Gedanken machen, ob Ich und Wir als Familie einen Weg weitergehen und welchen Preis wir dafür bezahlen wollen. Dafür braucht es neue Modelle der Verteilung von Arbeitszeit und Lebenszeit, die Beruf und Familie auf Augenhöhe sehen.

In der rasanten technologischen Entwicklung unserer Gesellschaft ist es höchste Zeit, unsere Konzepte vom Arbeits- und Familienleben aus dem letzten Jahrtausend weiterzuentwickeln. Es ist an der Zeit, sie in offenere und flexiblere Formen zu gießen, die persönliches Glück und kollektive Effektivität miteinander verbinden.

Und es braucht mutige Mütter und Väter, die ausgetretene Pfade von Familie und Beruf verlassen und sich in experimentierfreudige Lebens- und Arbeitsmodelle begeben. So können wir neue Wege entdecken, Arbeit und Leben auf natürliche Art ineinandergreifen zu lassen.

Der Autor

Dimitrios Lorenz

Senior Consultant
Kooperationspartner der ComTeamGroup