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Wenn der Narzissmus zum Problem wird

In unserem Beruf als Berater, Coach oder Trainer hören wir folgende Sätze immer wieder: „Sie haben uns so weitergeholfen! Ohne Sie wären wir da niemals gelandet“, Coachings, die beendet werden mit Sätzen wie: „Durch Sie habe ich das und das für mich entdeckt“, Trainings, in denen es zum Abschluss heißt: „Das war das beste Training in meiner Karriere“. Und so weiter…

Jahr 2017

Natürlich ist das nicht immer und überall so… aber glücklicherweise kommen solche Situationen häufig vor. Von außen blickend kann man nun sagen: Toll, so viel positives und direktes Feedback! Und das stimmt auch.
Wie immer haben jedoch auch diese positiven Rückkopplungen in unserem Beruf eine zweite Seite: Sie nähren den Teil in uns, der sich „Narzisst“ nennt. Der sich nach den oben beschriebenen Situationen gestärkt fühlt, der sich bestätigt sieht, der sich bekräftigt vorkommt. Nun kann man sagen: Na und? Passt doch! Das stimmt nun allerdings nicht so ganz. Aus folgenden Gründen:

Die Vertrauensgleichung

1. Jeder hat in sich das Wissen, nicht perfekt zu sein, Schwächen zu haben, Fehler zu machen. Dieses Wissen ist Gift für den Narzissten. Das bedeutet: Je mehr der narzisstische Teil in uns genährt wird, desto mehr „vergessen“ wir den Teil in uns, der sich sehr wohl bewusst ist über Schwächen. Desto mehr klaffen die beiden Teile in uns auseinander.

2. In unserem Beruf, in dem wir in schwierige Prozesse eingebunden sind, in dem Dynamiken bei Kunden wirken, die oft nicht vorhersehbar sind, die auch uns manchmal überrollen, gibt es eben sehr wohl auch die Rückmeldungen, in denen es heißt: „Das hat uns jetzt aber überhaupt nicht weitergebracht.“ Je mehr der narzisstische Teil in uns genährt wird, desto schlechter können wir mit negativen Rückkopplungen umgehen. Desto mehr treffen uns diese Aussagen.

Was ist also die Konsequenz? Kein positives Feedback mehr annehmen? Natürlich nicht!

Meines Erachtens geht es darum, sich bewusst zu sein, dass das ICH aus mehr besteht als aus diesen beiden Teilen. Dass sich mein Selbstwert aus mir heraus nährt – sehr wohl mit der Freude über positive Rückmeldungen, aber auch, indem ich negative Rückmeldungen ernst nehme. Nur: Ich definiere mich nicht über die Rückmeldungen anderer.

Eine gute Vorbeugung nicht in die Beraterfalle Narzissmus zu tappen ist eben ein gut gefüllter „Selbstwerttopf“: Ein hohes Maß an Selbstwert ermöglicht uns eine innere Stabilität, sodass wir nicht so schnell aus der Bahn geworfen werden von äußeren Einflüssen. Ein geringer Selbstwert hingegen sorgt dafür, dass wir uns schneller von Einflüssen aus unserer Umwelt umwerfen lassen. Ein regelmäßiger Blick nach Innen, ein Innehalten, wahrnehmen und reflektieren kann uns also vor manch unangenehmen Erfahrungen im beruflichen Miteinander bewahren!

Eine andere Konsequenz ist, sich regelmäßig ehrliche und offene Rückmeldung zu den eigenen Stärken und Schwächen zu holen – von Kollegen, Co-Trainern etc. Denn wir müssen uns immer wieder mit den beiden Teilen in uns auseinandersetzen, sie überprüfen, auch Abstand zu ihnen bekommen. Das bedeutet für mich innere Veränderung und Wachstum.

„Mein Selbstwerttopf“ Auszug aus dem Seminar „Verhalten wahrnehmen, Verhalten reflektieren“

Der Autor

Kerstin Kromer

Managing Consultant,
Executive Coach
ComTeam AG, Deutschland